Dienstag, 14. Oktober 2008

Nordlichter, Polarkreis und Santa Claus

Ich bin wieder zurück von einem „Wahnsinnstrip“ nach Lappland. Am Donnerstag Nachmittag hab ich mich in Joensuu in den Zug gesetzt, habe eine „Rundreise“ durch Finnland gemacht (um zum „Santa Claus Express“ nach Norden zu kommen musste ich erst einmal bis fast nach Helsinki fahren) und war dann 1700 km und 17 Stunden später in Rovaniemi. In Tampere traf ich dann auf Elisabeth, eine andere EFD’lerin, meine Reisebegleitung.
Nach einer grausamen Nacht im Zug kamen wir dann morgens um acht Uhr müde und verspannt im nebligen und kalten Rovaniemi an. In der Nacht vorher gab es dort den ersten Schnee in diesem Herbst. Übrigens ist Rovaniemi die flächenmäßig größte Stadt Europas, dreimal größer als Luxemburg, hat allerdings nur 35.000 Einwohner. Soviel also zur möglichen Einsamkeit in weiten Landstrichen Nordfinnlands. Mein erster Gedanke am Bahnsteig war: Mir tut der Kaffeezahn weh! Erste Station sollte also ein Café sein. Gar nicht so einfach um diese Uhrzeit. Kein Mensch auf der Straße, gespenstisch, wie ausgestorben. Allein über den Lordi-Square (richtig gelesen: Benannt nach der aus dieser Stadt stammenden Gewinnerband des Eurovision Song Contest 2006) liefen ein paar Menschen und ein paar andere bauten einen Stand für den Kommunalwahlkampf auf. Dort betraten also dann zwei Backpacker mit großen Rucksäcken ein Café, in dem so wenig los war, dass wir für das stetige Nachfüllen der Kaffeetassen nicht mal was zahlen mussten.
Zwei Tische weiter saß ein Finne, etwa Mitte fünfzig, leicht graue Haare, Brille, mit seinem Kaffee und einer angezündeten Kerze auf dem Tisch und den ausgezogenen Schuhen darunter. Ein kurzer Blick und es traf mich wie ein Blitz: „Huomenta!“. Wow, es gibt Finnen, die von sich aus fremde Menschen grüßen. Kaitso geht morgens zusammen mit seiner Lebensgefährtin aus dem Haus. Sie geht zur Arbeit und er in das Café. Arbeitsteilung auf finnisch. Er erzählte uns viel über Rovaniemi und die Gegend drum herum, genauso wie über sich selbst, ein seltener Fall von wirklich großer Offenheit und Neugier gegenüber den Mitmenschen. Wir saßen also ewig mit ihm in dem Café, wärmten uns auf, tranken Kaffee und wurden gleichzeitig von Kaitso aufgeklärt wo es denn die schönsten Wanderplätze und die besten Aussichten in der Gegend gibt.
Anschließend ging es dann zum Arktikum, einem nicht nur architektonisch interessanten Museum zum Thema „Alles über das Leben nördlich des Polarkreises“. Man kann dort viel Zeit verbringen, und unter anderem lernen warum Nordlichter in Finnland „Fuchsfeuer“ (revontulet) heißen. Aber: Das muss man selbst rausfinden und auch selbst in den Nordlichtern den Fuchs wieder erkennen – wenn man denn mal welche sieht. Bei der Suche nach einer Feuerstelle mit zur Verfügung stehendem Holz taten wir uns ein wenig schwer – die makkara waren schon gekauft, aber es gab in normaler Laufentfernung keine solche Feuerstelle. Für diesen Tag mussten wir Elisabeths erste makkara-experience leider verschieben.
Couchsurfing sei Dank haben wir im Vorfeld eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit ausfindig machen können: Eine acht- bis zehnköpfige Familie, die im Süden der Stadt in the middle of nowhere lebt. Taina nahm uns aus der Stadt mit, setzte uns zwischendurch beim napapiiri (dem Polarkreis) ab. Dort hatten wir Gelegenheit den Weihnachtsmann zu besuchen. Es wirkte auf mich alles wie ein kleines Disneyland: Kitschige Bauten, ein im Boden eingelassener weißer Streifen, auf dem „Arctic Circle“ stand (der wirkliche Polarkreis bewegt sich aber leider im Laufe der Zeit, so dass der wahre Polarkreis sich irgendwo 200 Meter weiter nördlich befindet) und ganz viele Geschäfte, die für viel Geld Andenken an den Weihnachtsmann verkaufen wollen. Zwischendrin Santa Claus, der in seinem Haus am Kamin sitzt, mit dem man Smalltalk halten kann, sich mit ihm von einem Wichtel fotografieren lassen kann (ein DIN A3-Sofortbild für 45 Euro!) und von dem man dann (auch wenn keine anderen Menschen weit und breit da sind) nach einer bestimmten Zeit sanft vom Stuhl geschoben wird, damit man wieder geht.


Zusammen mit Taina fuhren wir dann zu unserem „Wochenendzuhause“. Ein grünes Holzhaus mitten im Wald mit vielen Kindern, einem Hamster und einer Katze. Wir wussten ungefähr was auf uns zukommt, weil zwei Wochen vorher schon drei andere EFD’ler bei der gleichen Familie auf den Couches gesurft sind und wir uns natürlich berichten ließen. Das Couchsurfing scheint das Projekt der Mutter des Hauses zu sein – der Rest der Familie machte dann doch ein bisschen den Eindruck, dass man von etwa 50 Couchsurfern seit Ende Januar auch genervt sein kann. Trotzdem wurden wir zumindest von Taina und den zwei Kleinsten ganz gut aufgenommen. Man kann auch mit geringen Sprachkenntnissen mit Kindern spielen und sie beeindrucken.
Am Samstag dann ein kleiner Ausflug zum mökki der Familie, idyllisch an einem kleinen See gelegen und endlich die Gelegenheit makkara überm Feuer zu braten und auf dem See zu paddeln. Nachdem wir abends („typisch deutsch“) uns an Kässpatzen (ja, auch Kässpatzen schmecken mit Preiselbeermarmelade, wie alles in Finnland) für die ganze Familie versucht haben, durften wir die letzte Wärme der Sauna genießen und uns in einer klaren kalten Nacht wirkliche echte Nordlichter anschauen. Ein großartiges Erlebnis, die Lichter grün und rot über den Himmel tanzen zu sehen. Dafür sind wir nach Lappland gekommen und wir wurden dafür belohnt. Ein anderer Grund war eigentlich zumindest noch ein bisschen was vom ruska (der Laubfärbung) mitzubekommen, dafür waren wir aber leider zu spät dran. Sogar maaruska (ein finnisches Wort für „bunte Blätter liegen auf dem Boden“) war leider schon vorbei. Am Sonntag dann bei strahlendem Sonnenschein auf zum Polarkreis-Wandergebiet. („Nun ist es soweit, noch ein Schritt und ich war noch nie so weit von Zuhause weg wie sonst“) Erstaunlich, dass der K-Market dort auch sonntags geöffnet hat, so kamen wir dann doch noch an makkara und korvapuisti, die wir später über dem Feuer gebraten haben, und an eine Information über die Busse von dort zurück nach Rovaniemi und weiter nach Saari-Kävä. Das war vorher nicht unbedingt so klar...
Über eine Brücke über Stromschnellen rein in eine Landschaft geprägt von Moosen und Flechten, Kiefern und Birken, Mooren und Sümpfen, Hügeln und Steinen, Blaubeeren und Preiselbeeren, Sonne und Nebel. Finnland eben. (alle Bilder sind anklick- und vergrößerbar)

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

der weihnachtsmann hat mir grüße geschickt, jippie!!

die liebste

alex hat gesagt…

http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,585045,00.html

wie wärs mit videos davon? :)

grüße aus dem kleinen eisfach-bamberg